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Trend & Studie  23.02.2022

Ungleichheit bleibt unfair

Nicht einfach Ungleichheit, sondern insbesondere die durch externe Faktoren getriebene unfaire Ungleichheit messen: Das macht ein internationales Team in einer aktuellen Arbeit in 'The Review of Economic Studies'.

In einem Vergleich der Forscher für das Jahr 2010 schneiden die USA bei diesem neuen Maß aufgrund struktureller Chancenungleichheit äußerst schlecht ab. Einzig in Griechenland war demnach die unfaire Ungleichheit höher, was der Studie zufolge mit der europäischen Schuldenkrise zusammenhing.

Der Arbeit liegt der Gedanke zugrunde, dass Einkommensungleichheit nicht immer ungerecht ist. Beispielsweise scheint es meist vertretbar, dass jemand, der mehr arbeitet, auch mehr verdient. Doch wenn Ungleichheit an externen Faktoren liegt, die der Einzelne nicht kontrollieren kann, ist das problematisch. 'Wir haben ein neues Maß für unfaire Ungleichheit entwickelt, das auf den Konzepten der Chancengleichheit und der Armutsfreiheit basiert', so Studien-Hauptautor Andreas Peichl von der Ludwig-Maximilians-Universität München, in einer Aussendung der Oxford University Press.

Die Arbeit kombiniert dabei erstmals beide Prinzipien in einem Maß für unfaire Ungleichheit. Die Forscher nutzen zudem Daten der seit 1968 von der University of Michigan durchgeführten 'Panel Study of Income Dynamics', um die Entwicklung dieser ungerechten Einkommensungleichheit in den USA zu bewerten. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich diese von 1980 bis 2014 verdoppelt hat und dabei der Anteil der unfairen Ungleichheit am Gesamtphänomen von 15,2 auf 18,9 Prozent angewachsen ist.

Die Analyse hat auch ergeben, dass in Europa eher das Prinzip der Armutsfreiheit verletzt wird. In den USA dagegen ist vor allem strukturelle Chancenungleichheit für die Ungerechtigkeit verantwortlich. Diese ist dabei so ausgeprägt, dass die USA im für 2010 betrachteten Gesamtindex schlechter abschneiden als 30 der 31 erfassten europäischen Länder. Einzig Griechenland hat eine noch höhere unfaire Ungleichheit. Würde man die amerikanischen Südstaaten als eigenes Land betrachten, würde dieses allerdings auch Griechenland in Sachen Ungerechtigkeit übertreffen.

Die geringste unfaire Ungleichheit gab es 2010 laut Studie in den nordischen Ländern sowie den Niederlanden. Relativ schlecht schnitten dagegen die von der Schuldenkrise stark betroffenen Länder Südeuropas ab. 'Wir hoffen, dass dieses neue Maß es Forschern ermöglicht, in Zukunft stärker normativ geleitete Analysen von Ungleichheit durchzuführen und dass es für die politische Debatte über Ungleichheit aufschlussreich ist', meint Peichl abschließend.

pte/red

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#Gesellschaft #Studie



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